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Modul 10
Modul 10: Betriebsorganisation
¨ Welche Aufgaben hat die
Betriebsorganisation?
¨ Welche Voraussetzungen sind zu
schaffen?
¨ Sind Überlegungen zur Betriebsorganisation
auch in einem Ein-Personen-Unternehmen notwendig?
Nachdem die
Produkt- bzw. die Dienstleistungspalette feststeht und auch der Standort des
Unternehmens ausgesucht wurde, stellt sich die Frage, wie das Produkt bzw. die
Dienstleistung erstellt werden soll.
Die
Betriebsorganisation soll diesen Prozeß vereinfachen und effizienter machen.
Ziel der Betriebsorganisation ist es, die Komplexität der unternehmerischen
Umwelt dadurch zu reduzieren, daß Arbeitsabläufe systematisiert und die Aufgaben
klar verteilt sind. Das bedeutet nicht, daß eine möglichst starke
Arbeitsteilung erreicht werden oder keinerlei Entscheidungsspielraum bleiben
soll. Vielmehr soll verhindert werden, daß für jeden Auftrag und jeden
Betriebsvorgang alle Arbeitsgänge neu überdacht und entschieden werden und die
Aufgaben neu verteilt werden müssen. Das wäre sehr zeitaufwendig und
kostenintensiv. Möglicherweise würden Arbeitsgänge, die bei einem bereits
durchgeführten Auftrag schnell und kostengünstig ausgeführt wurden, bei einem
ähnlichen Auftrag völlig anders und dadurch möglicherweise teurer durchgeführt
werden.
Unterschieden wird
bei der Betriebsorganisation in Aufbau-
und Ablauforganisation. Zum einen
geht es um die Frage nach dem Aufbau des Unternehmens, also um die Stellen im
Unternehmen. Zum anderen sollen die Arbeitsabläufe soweit wie möglich
strukturiert werden.
Der Gegenpol zur Organisation
ist die Improvisation! Diese Aussage beinhaltet sicherlich
Diskussionspotential, gerade im Hinblick auf virtuelle Unternehmen und andere
neu entstehende Organisationsformen. Strukturen können jedoch gerade zu Beginn
wiederkehrende Entscheidungen im Ablauf ersetzen, so daß für andere -
wichtigere - Entscheidungen mehr Zeit bleibt.
Aufbauorganisation
Das zentrale
Element der Aufbauorganisation ist die Stellenbeschreibung.
Hierbei wird festgelegt, welche Aufgaben und Kompetenzen einer Stelle
zugeordnet sind und welche Anforderungen an die Stelleninhaberin bzw. den
Stelleninhaber gestellt werden.
Wenn sich eine Schreinermeisterin
überlegt, in welcher Weise sie ihre 4 Gesellen bei der Herstellung von Tischen
einsetzen soll, hat sie verschiedene Möglichkeiten: (a) Alle Gesellen fertigen
ganze Tische. (b) Ein Geselle stellt nur Tischbeine her, ein zweiter erstellt
die Tischplatten, der dritte setzt die Stücke zusammen und der vierte lackiert
die gefertigten Tische. (c) Zwei Gesellen übernehmen die Sägearbeiten, einer
alle Hobelarbeiten und alle Drechslerarbeiten, ein anderer hat die Aufgabe, die
Teile zusammenzufügen und der vierte übernimmt die Lackierarbeiten.
|
Wie sind die Aufgaben im
Ausbildungsbetrieb der Schüler/innen bzw. in einem regional bekannten
Unternehmen verteilt?
Wie könnte man sich die
Aufgabenverteilung für ein bekanntes Unternehmen vorstellen?
Mit dem Organigramm wird in einem Schaubild
graphisch dargestellt, wer gegenüber wem weisungsbefugt ist. Dies ist bei
kleinen Unternehmen auch ohne Abbildung nachvollziehbar. Wenn das Unternehmen
jedoch wächst, kann man mit einem solchen Schaubild schneller erkennen, wo neue
Stellen sinnvoll angegliedert werden können. Bereits bestehende Betriebe lassen
sich mit Hilfe von Organigrammen einfacher analysieren.
Für das Schreinerbeispiel würde das
bedeuten, daß alle Gesellen auf der gleichen Stufe stehen, und daß die
Schreinermeisterin alleine Weisungsbefugnis hat. Kommt nun beispielsweise eine
Bürokraft hinzu, dann muß diese in das bestehende System integriert werden.
Schreinermeisterin |
Bürokraft |
Geselle 2 |
Geselle 3 |
Geselle 4 |
Geselle 1 |
|
Welches
Organigramm ergibt sich für die Ausbildungsbetriebe der Schüler/innen bzw. für
ein regional bekanntes Unternehmen?
Die Strukturen des zu gründenden
Unternehmens sind abhängig von den Wünschen und Zielen des Unternehmensgründers.
Ist überhaupt daran gedacht, Mitarbeiter einzustellen? Erst wenn die
unternehmerische Gesamtaufgabe auf eine Mehrzahl von Personen verteilt wird,
sind Strukturen, die den Unternehmensaufbau betreffen, zu schaffen. Zudem
können Leistungen von anderen Unternehmen in Anspruch genommen werden. Typische
Leistungen, die “eingekauft” werden, sind beispielsweise Beratungsleistungen
wie z. B. die Steuer- und Rechtsberatung oder die Unternehmensberatung.
Allerdings sind die dadurch entstehenden Kosten zu berücksichtigen.
Tabelle: Alternativen der Betriebsorganisation
|
Vorteile |
Nachteile |
Gründer übernimmt alle Aufgaben allein |
- Keine Kosten für Personal oder
Beratung |
- eingeschränkte Zeitkapazität - Betriebsblindheit - wichtige Aufgaben, die nicht
gerne getan werden, werden evtl. vernachlässigt |
Gründer kauft Leistungen hinzu |
- Kosten entstehen nur für
tatsächlich erbrachte Leistungen - Zugewinn an Erfahrung und
Wissen |
- Kosten - Leistungserstellung kann nicht
direkt beeinflußt bzw. nur schwer auf den Betrieb abgestimmt werden |
Gründer stellt Mitarbeiter ein |
- Zugewinn an Wissen und
Erfahrung - Zugewinn an Zeitkapazität |
- Kosten - Verantwortung auch in Zeiten von
Auftragsrückgängen und Krankheitsfällen - Betriebsblindheit - Koordinationsaufwand - Konfliktpotential |
Es sind jedoch auch
Restriktionen zu beachten. So dürfen bestimmte Aufgaben im Betrieb nur von solchen
Personen durchgeführt werden, die dazu zugelassen sind oder eine entsprechende
(Meister-)Prüfung abgelegt haben. Auch die Rechtsformwahl hat Einfluß auf die
Organisation, ebenso arbeitsrechtliche Bestimmungen, wie z. B.
Arbeitszeitregelungen.
Die Qualitätsnormen (wie die ISO
9000ff bzw. die europäischen Normen) sollten ebenso bereits bei der
Existenzgründung in die Überlegungen zur Betriebsorganisation einbezogen
werden. Sie können als Hilfestellung bei der Strukturierung der Arbeitsprozesse
herangezogen werden, z.B. um wichtige Unternehmensbereiche nicht zu vergessen,
und es können zu einem späteren Zeitpunkt Zertifizierungen kostengünstiger
durchgeführt werden.
Bei der
Existenzgründung sollten u. a. die folgenden Fragestellungen berücksichtigt werden:
Þ Welche Aufgaben können oder
müssen fremdvergeben werden?
Þ Welche Aufgaben sollen im
Unternehmen in einer Stelle zusammengefügt werden?
Þ Welche Qualifikationen sind
dafür notwendig?
Ablauforganisation
Wie sollen nun die Arbeitsgänge,
die im Unternehmen durchzuführen sind, organisiert werden? Wo sollen diese
durchgeführt werden und auf welche Weise und in welcher Reihenfolge? Die
Ablauforganisation regelt die räumliche
und zeitliche Gestaltung der
Arbeitsabläufe.
Bei der räumlichen Gestaltung der Arbeitsabläufe
geht es insbesondere um die Arbeitsplatzgestaltung. Werden verschiedene
Arbeitsplätze eingerichtet, so muß der Raum dafür vorhanden sein. Auch für die
einzusetzenden Maschinen. Möglicherweise ist es sinnvoll, unterschiedliche
Räume für unterschiedliche Arbeitsgänge einzurichten.
So sind beispielsweise Büroräume
häufig von Werkstatträumen getrennt. Oder es gibt einen Besprechungsraum, um
Kundengespräche nicht über einen mit Papieren überhäuften Schreibtisch hinweg
und durch Telefonate gestört führen zu müssen.
Hier können die
nachfolgenden Fragen Hilfestellungen bieten:
Þ Welche Maschinen, Betriebsmittel
sind erforderlich?
Þ Sind Schutzvorschriften oder
Auflagen zu beachten?
Þ Sind unterschiedliche Räume
sinnvoll?
Þ Sind gegebenenfalls bauliche
Erweiterungen möglich?
Die zeitliche Abfolge des Arbeitsablaufes
betrifft die Arbeitsschritte. Diese sind sehr stark abhängig von der jeweiligen
Aufgabe. Kommt eine Aufgabe häufiger vor und läßt sie sich in Teilaufgaben
gliedern, so ist es sinnvoll, eine effiziente Reihenfolge für diese
Teilaufgaben zu erarbeiten. Zusätzlich verhindern solche Vorgaben auch, daß
wichtige Schritte vergessen werden.
Die Fließbandfertigung ist
beispielsweise eine sehr restriktive Form der Strukturierung der
Arbeitsabläufe. Durch den Transport der Produkte von einer Stelle zur anderen
wird die Reihenfolge der Arbeitsschritte genau vorgegeben. Dies ist in der
Beispielschreinerei nicht der Fall. Dennoch ist zu überlegen, ob die Maschinen
oder Hilfsmittel nicht in einer sinnvollen Reihenfolge angeordnet werden
sollen, um den Herstellungsprozeß zu vereinfachen.
Bei der Ablauforganisation sind
Erfahrungen aus anderen Unternehmen häufig sehr hilfreich. Wie wurde dort
beispielsweise die Auftragsbearbeitung durchgeführt, gab es Formulare, die sich
als nützlich erwiesen haben? Zusätzlich können die folgenden Punkte Hinweise
geben:
Þ Gibt es Aufgaben, die immer
wieder durchzuführen sind?
Þ Können diese Aufgaben in
Teilaufgaben zerlegt werden?
Þ Wie sind diese Teilaufgaben
sinnvoll aneinanderzusetzen?
Þ Sind diese Teilaufgaben von
verschiedenen Personen durchzuführen?
Þ Müssen unterschiedliche
Arbeitsplätze miteinander verbunden werden?
Þ Sind computergestützte
Produktionssteuerungssysteme notwendig?
Die Betriebsorganisation wird von unterschiedlichen
Faktoren beeinflußt. Gerade zu Beginn der Unternehmenstätigkeit sollten die
Unternehmensziele starke Berücksichtigung finden. Welches sind die besonderen
Leistungen, die das neue Unternehmen am Markt anbieten möchte, und wie sind
gerade diese Besonderheiten organisatorisch umzusetzen?
Sollen beispielsweise Kundenwünsche
möglichst kurzfristig erfüllt werden, dann müssen die notwendigen Kapazitäten
vorhanden sein und von Anfang an eingeplant werden. So sind die erforderlichen
Arbeitsplätze zu schaffen und die notwendigen Maschinen und Geräte in
ausreichender Anzahl zur Verfügung zu stellen. Zudem ist eine Stelle
einzurichten, die Mitarbeiter und Aufträge koordiniert.
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Welche Besonderheiten weisen die Ausbildungsbetriebe
der Schüler/innen auf bzw. welches spezielle Angebot zeichnet ein regional
bekanntes Unternehmen aus?
Wie wird dieses spezielle Angebot
bei der Leistungserstellung umgesetzt?
Auch hierbei sind Restriktionen
zu beachten. Möglicherweise würde eine neue Maschine den Herstellungsprozeß
durchaus erleichtern, würde aber eine bauliche Erweiterung erfordern, die nicht
finanzierbar ist, oder aber diese bauliche Erweiterung wird nicht genehmigt.
Die Einstellung von neuen Mitarbeitern mit bestimmten Qualifikationen kann am
Angebot, das der regionale Arbeitsmarkt bietet, scheitern.
Für die Betriebsorganisation
sind somit im wesentlichen die Unternehmensziele und die für den jeweiligen
Betrieb geltenden Restriktionen zu beachten und die persönlichen Stärken und
Schwächen des Unternehmers bzw. der Unternehmerin abzuwägen. Auf dieser
Grundlage muß für jedes Unternehmen ein individueller Organisationsplan
erarbeitet werden. Soll der Schritt in die Selbständigkeit durch eine Übernahme
erfolgen, dann ist es wichtig, die Organisationsstrukturen dieses Unternehmens
zu analysieren und sie auf Stärken und Schwächen zu prüfen.
Alternativen der Betriebsorganisation
|
Vorteile |
Nachteile |
Gründer
übernimmt alle Aufgaben selbst |
- Keine Kosten für Personal oder
Beratung |
- eingeschränkte Zeitkapazität - Betriebsblindheit - wichtige Aufgaben, die nicht
gerne getan werden, werden evtl. vernachlässigt |
Gründer kauft Leistungen hinzu |
- Kosten entstehen nur für
tatsächlich erbrachte Leistungen - Zugewinn an Erfahrung und
Wissen |
- Kosten - Leistungserstellung kann nicht
direkt beeinflußt bzw. nur schwer auf den Betrieb abgestimmt werden |
Gründer stellt Mitarbeiter ein
/ Partner- gründung |
- Zugewinn an Wissen und
Erfahrung - Zugewinn an Zeitkapazität |
- Kosten - Verantwortung auch in Zeiten
von Auftragsrückgängen und Krankheitsfällen - Betriebsblindheit - Koordinations-aufwand - Konfliktpotential |